Accompagnato

Aus WikiMusikP
Wechseln zu: Navigation, Suche

Vernetzung von Studium und Beruf

„Accompagnato – Brücken zwischen Studium und Beruf von Musiklehrenden“ heißt eine Kurskonzept, das Studierende mit ReferendarInnen und erfahrenen MusiklehrerInnen zusammenführt. Der Kurs ist damit gleichermaßen als Teil der studentischen Lehre wie als Weiterbildungsveranstaltung angelegt.

Das Kurskonzept

„Erfahrungswissen“ im Mittelpunkt

Im Zentrum der Veranstaltung stehen nicht – wie sonst bei Seminaren und Fortbildungen üblich – bestimmte Gegenstände oder Themen, sondern die Personen selbst. Dahinter steckt der Gedanke, dass „Wissen“ nicht als Produkt, sondern als „Prozess des Erkennens, Tuns, Denkens und Wahrnehmens“ verstanden wird (Stöger 2004, S. 35). In diesem Konzept erhält also das Erfahrungswissen als professionelles Wissen von Lehrenden einen besonderen Stellenwert: Studierende und MusiklehrerInnen beschäftigen sich gemeinsam, vor ihrem unterschiedlichen Erfahrungshintergrund, mit zentralen Fragen des Unterrichtens. Studierende können dabei vom professionellen Wissen der LehrerInnen profitieren, den Lehrenden wird durch Reflexion des Unterrichts, durch den Austausch von Ideen und Erfahrungen sowie durch aktuelle didaktische Anregungen eine Weiterentwicklung der eigenen Praxis ermöglicht.

Persönliches „Anliegen“ als Lernschleife

Kern des Kurses „Accompagnato“ ist ein individueller Lernkreislauf, der während des Kursjahres u.U. mehrmals durchlaufen wird (Stöger 2004, S. 34): Am Anfang steht die Formulierung eines persönlichen „Anliegens“ durch die TeilnehmerInnen; dabei geht es darum, sich auf ein berufliches Thema zu konzentrieren, mit dem man sich im Folgenden intensiv auseinandersetzen möchte. Dieses individuell formulierte Anliegen wird dann im zweiten Schritt zum Beobachtungsfeld im Rahmen von gegenseitigen Unterrichtsbesuchen in Kleingruppen. Dritte Phase ist eine Auswertung auf der Grundlage der Rückmeldungen durch die beobachtenden TeilnehmerInnen, die dem Unterrichtenden als Hilfe zur Überprüfung des Standes des Anliegens und gegebenenfalls zur Weiterentwicklung des Anliegens dienen. Mit diesem variierten Anliegen werden die drei Phasen erneut durchlaufen.

Kursstruktur

Die Veranstaltung ist (in Köln) auf ein Jahr angelegt. Neben acht über das Jahr verteilten dreistündigen Seminarterminen gibt es je einen ganztägigen Termin pro Semester. Zusätzlich finden die erwähnten gegenseitigen Unterrichtsbesuche in wechselnden Kleingruppen statt.

Ursprünglich wurde das Konzept am Institut für Musikpädagogik der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien von Brigitte Lion-Slovak, Franz Niermann, Christine Stöger und Christian Winkler entwickelt. Varianten sind im Rahmen eines EU-Projekts in verschiedenen europäischen Ländern entstanden, u.a. wird es seit 2004 regelmäßig an der Hochschule für Musik Köln und seit 2006 mit Ekkehard Mascher an der Hochschule für Musik Detmold angeboten.

Literatur

  • Klaus-Jürgen Etzold (2002): „accompagnato“ – im Namen der Selbstreflexion. Ein neues Modell von Musiklehrer-Fortbildung verspricht große Erfolgschancen. In: nmz 2002/04, S. 56 (Datum des Zugriffs: 20.02.2010)
  • Stöger, Christine (2004): Erfahrungswissen für den Lehrberuf. „accompagnato“ – Ein Kurskonzept zur Vernetzung von Studium und Beruf. In: Diskussion Musikpädagogik, 23/2004, S. 33-38. (hierin insbesondere weiterführende Gedanken zur Schwierigkeit der Vermittlung von Erfahrungswissen und zu den besonderen Möglichkeiten des Kurskonzeptes von Accompagnato in diesem Zusammenhang)
  • Stöger, Christine; Lion, Brigitte; Niermann, Franz (2010): Professionalisierung im Lehrberuf. Ziele erreichen – Potenziale nutzen. Beltz-Verlag: Weinheim, Basel. ISBN 978-3407626738


Weblinks