Aspekte der Stimme von Kindern und Jugendlichen

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Unterschiede der Physiologie der Kinderstimme

Obwohl es generell keine Unterschiede der Physiologie der Kinderstimme und der Erwachsenenstimme gibt, haben Wachstumsphänomene im kindlichen Körper Auswirkungen auf die Stimme. Dabei machen sich besonders zwei Tatsachen bemerkbar: das Größenverhältnis von Kopf und Rumpf (bei Neugeborenen fast das Verhältnis 1:1, beim ausgewachsenen Menschen schließlich 1:5 bis 1:7) Wachstumsveränderungen der Stimmorgane

Klanglichkeit der Kinderstimme

Beide oben genannten Phänomene haben Auswirkungen auf die Klangfarbe und die Registerstruktur der Stimme. Die schwingungsbeeinflussenden Kopfräume sind beim Kind dominant, die übrigen Räume, darunter besonders der Brustraum, sind weniger klangprägend. Akustisch macht sich das in einer stärkeren Helligkeit bemerkbar. Stimmen von Kindern klingen „körperloser“, „schwebender“ als die von Erwachsenen. Die Registerstruktur der Kinderstimme entspricht die der weiblichen Erwachsenenstimme, wirkt jedoch wie „nach oben verschoben“, da die Stimmfalten noch kürzer und schlanker sind und der Kehlkopf noch kleiner ist. Mittel- und Kopfregister der Kinderstimme wirken oft wie reine Kopftöne einer Frau.

Umfang der Kinderstimme

Schon seit Jahrzehnten ist der Umfang der Kinderstimme Gegenstand zahlloser Untersuchungen. Dennoch kam es immer wieder zu Fehlinterpretationen. (1909 veröffentlicht H. Gutzmann ein Schreiben, in dem er den Stimmumfang zum Zeitpunkt der Geburt mit einer Prim um a1 beschreibt.)
Mohr beschreibt den Umfang von Kindern folgendermaßen:

  • Säugling bis Kleinkind: g1-c1
  • Kindergartenkind: f1-e2
  • Grundschulkind: c1-f2
  • Schulkind: a-a2 (2)

Nitzsche empfiehlt bei Kindern im Alter von 7-10 Jahren den Bereich von f1 bis f2 („gute Lage“), diese wandert jedoch mit Annäherung an die Mutation konstant nach unten.[1] Diese Angaben können jedoch nur grobe Anhaltspunkte sein, da die stimmlichen Fähigkeiten aufgrund von Förderung/Nichtförderung stark voneinander abweichen können.[2]

Die Mutation/Stimmbruch

In der Pubertät kommt es zu Veränderungen der Stimme, hervorgerufen durch Geschlechtshormone. Bei Mädchen sind diese Veränderungen nur geringfügig wahrnehmbar, da ein geringeres Längenwachstum der Stimmfalten zu verzeichnen ist und alle beteiligten Muskulaturen und Organe relativ koordiniert wachsen. Lediglich bei möglichen Heiserkeitsphasen ist Stimmschonung angesagt. Anders verhält es sich bei der Jungenstimme, bei der es zu einem deutlichen Längenwachstum der Stimmfalten und großem Größenwachstum des Kehlkopfs kommt. Das Wachstum verläuft hier eher unkoordiniert. Laut Mohr ist während des Stimmbruchs eine Beanspruchung des Organs nicht anzuraten.

Fehler beim Singen mit Kindern

Mohr macht darauf aufmerksam, dass es sich bei kraftvoll singenden Kindern in der oberen Hälfte der eingestrichenen Oktave um den ungehinderten Einsatz des Brustregisters handelt (also ungemischte Muskelschwingung der Stimmlippen ohne Mitwirkung der Stimmfaltenränder). Wenn Kinder so häufig singen, kann das zu Schädigungen führen.[3] Auch das Singen von zu tiefen Töne kann zu Schwierigkeiten führen, wenn diese mit zuviel Kraft produziert werden. Dann kommt es zu einer starken Verdickung der Stimmlippen, was bei häufigem Gebrauch Verkrampfungserscheinungen nach sich zieht.

Ratschläge zum Singen mit Kindern

  • Lieder, die für Erwachsene bequem singbar sind, sind es nicht unbedingt auch für Kinder. Deshalb sollte stets der Umfang von Kinderstimmen beachtet werden.
  • Tiefe Töne nie laut mit viel Druck singen.
  • Auch bei Kindern macht ein Einsingen Sinn (Aufwärmen der Muskulatur, Vorbereitung der Schleimhäute, stimmerzieherische Aspekte, soziale Aspekte).

Literatur

  1. Nitsche, Paul:Die Pflege der Kinder- und Jugendstimme. Schott Musik International, Mainz 2001
  2. Gembris, Heiner:Grundlagen musikalischer Begabung und Entwicklung. Wißner 2002
  3. Mohr, Andreas:Handbuch der Kinderstimmbildung. 2. Auflage 1998, Schott Musik International, Mainz 1997

Weiterführende Literatur

  • Bojack, Regina: Singen in der Grundschule: Eine Untersuchung zur Singfähigkeit und zum Singverhalten von Grundschulkindern, Wißner: Augsburg, 2012.

Weblinks