Blues

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Dieser Beitrag ist Teil des Beitrages zur Afroamerikanischen Musik


Begriffserklärung

Der Blues ist eine poetisch-musikalische Ausdrucksform der AfroamerikanerInnen aus Nordamerika und bildet einen zentralen Teil der Afroamerikanischen Musik.[1] Die frühen Formen des Blues greifen thematisch die unmenschlichen Lebensbedingungen der AfroamerikanerInnen auf und sind weltliche Lieder. Das Wort Blues beschreibt dieses Gefühl der Traurigkeit und leitet sich aus Liedzeilen wie „I feel blue“ oder „I’ve got the blues“ ab.[2]

In den früheren Formen afroamerikanischer Musik war der Call and Response räumlich und personell getrennt (z.B. Worksongs, Ring Shouts).[3] Der Blues fasst diese Strukturen in einer Person zusammen, sodass durch den Sologesang eine individuelle Geschichte vorgetragen werden kann.[4] Diese Entwicklung rückte das Individuum in den Fokus afroamerikanischer Musik. Der Call wurde nicht mehr von anderen AfroamerikanerInnen beantwortet, sondern musste selbst beantwortet werden.[5] Trotzdem konnten sich andere AfroamerikanerInnen auf Grund des gemeinsamen Schicksals mit dieser Musik identifizieren. Der Blues grenzt sich damit stark von den Worksongs ab, beinhaltet jedoch gleichzeitig viele der zentralen Elemente afrikanischer Musik sowie früherer Formen afroamerikanischer Musik.


Geschichte

Ab dem Jahr 1619 wurden afrikanische Sklaven an die Westküste Nordamerikas transportiert und verkauft.[6] Dies führte zu einer Vermischung der afrikanischen Kulturen und der europäischen Kulturen in Nordamerika (Akkulturation).[7] Trotz unterschiedlicher Herkunft der Sklaven entwickelten sie auf Grund der englischen Sprache und dem gemeinsamen Schicksal ein Kollektivbewusstsein, welches für die Entstehung des Blues von zentraler Bedeutung ist.[8]


Archaischer Blues (1850-1890)

Den Sklaven wurde außerhalb der Arbeit verboten ihre Lieder zu singen. Allerdings wurde auf Grund der Leistungssteigerung dieses Verbot während der Arbeit auf den Baumwollplantagen gelockert.[9] Diese Worksongs dienten auch der Kommunikation zwischen den Arbeitern. Es gab einen Vorsänger, der eine Melodie erfand, die anschließend von der Gruppe beantwortet wurde. Aus diesen Strukturen ergaben sich AB und AAB Formen, die den Worksongs ihre Form gaben. Diese Folge von Ruf und Antwort wird als Call’n’Response bezeichnet und ist eine der zentralen Besonderheiten Afroamerikansicher Musik. Die Einzelstimme wird in die Gemeinschaft der Musizierenden eingebettet. Das Individuum übernimmt zwar eine wichtige Rolle, wird allerdings primär als Teil des Kollektivs betrachtet. Aus den Worksongs entwickelte sich der Blues - Sologesang, welcher das Call’n’Response Prinzip aufgriff. Erste Bluessänger wie Leadbelly oder Blind Lemon Jefferson benutzten die Gitarre um ihren Sologesang zu begleiten.[10] In den Worksongs wurde der Call’n’Response von mehreren Individuen ausgeführt. Durch die Entwicklung des Blues wurde diese Trennung aufgehoben, sodass sowohl das Rufen als auch das Antworten von einer Person ausgeführt wurden.[11]


Der klassische Blues (1900–1935)

In den 1920er und 1930er Jahren entwickelt sich der Blues in den Städten vom begleiteten Sologesang zu einer Amüsiermusik.


Zeitgenössischer Blues (seit 1930)

In den 1950er und 1960er Jahren entwickelte sich der Blues zur Combomusik. Aus kommerziellen Gründen und um das Musizieren in der Gruppe zu vereinfachen bildeten sich feste „Bluesformen“ heraus. Die wichtigsten Bluesformen umfassen 8, 12, oder 16 Takte. Neben dem Gesang werden die Instrumente eigenständiger. Instrumentalsoli dienen nicht mehr nur zur Beantwortung des Calls. Die Texte werden anzüglicher und es entsteht ein Geschlechterkampf zwischen Bluessängern und Bluessängerinnen. („My banana in your fruit basket“ von Bo Carter oder „I’m a mighty tight woman“ von Slippie Wallace)[12] Außerdem wird in einigen Texten das „High Yellow“ Schönheitsideal aufgegriffen und propagiert. Demnach ist ein Mensch schön, wenn er weiß ist, seine Augen blau und seine Haare glatt sind. Es entstehen von diesem Ideal inspirierte Stücke wie „Black Cow“ von Champion Jack Dupree oder „Hound Dog“ von Big Mama Thornton.[13]

Der Blues entwickelt sich zu einer globalen Kultur, die andere Stile hervorbringt und inspiriert.


Musikalische Merkmale

Der Ursprung des Blues liegt in der afrikanischen Musik, welche die Sklaven nach Nordamerika brachten. In der afrikanischen Musik ist die Einbettung der einzelnen Stimmen in den Gesamtklang zentral. Die daraus resultierenden harmonischen Zusammenhänge sind in dieser Musik sekundär.[14] Der Blues verbindet die afrikanische Parallelführung mit europäischer Funktionsharmonik. Der Blues hat durch das strukturgebende Prinzip des Call and Response, welches den Ursprung in der afrikanischen Musik und den frühen formen der Afroamerikanischen Musik hat, verschiedene Formen hervorgebracht. Die bekanntesten Formen sind die 8, 12 oder 16 taktige Bluesform. Die Bluesformen haben sich im Verlauf der Geschichte immer weiter entwickelt und wurden beispielsweise im Bebop harmonisch stark erweitert.

Besonderes Merkmal des Blues ist die Verwendung von blue notes und die dadurch entstandene Bluestonleiter.
  1. Wicke, Peter; Ziegenrücker, Wieland, Ziegenrücker, Kai-Erik: „Handbuch der populären Musik“ Geschichte/Stile/Praxis/Industrie. Mainz 2007.
  2. Wyman, Bill : „Blues“ Eine Reise ins Herz und zur Seele des Blues. London 2001. S. 69-71
  3. Carles / Conolli: Free Jazz. Frankfurt 1974. S. 121 ff.
  4. Carles / Conolli: Free Jazz. Frankfurt 1974. S. 121 ff.
  5. Carles/Conolli: Free Jazz. Frankfurt 1974. S. 121 ff.
  6. Wicke, Peter; Ziegenrücker, Wieland, Ziegenrücker, Kai-Erik: „Handbuch der populären Musik“ Geschichte/Stile/Praxis/Industrie. Mainz 2007.
  7. Rappe, Michael: Under Construction. Kontextbezogene Analyse afroamerikanischer Popmusik. Band 6.1 Köln 2010. S. 132
  8. Rappe, Michael: Under Construction. Kontextbezogene Analyse afroamerikanischer Popmusik. Band 6.1 Köln 2010. S. 133
  9. Dauer, Alfons M.: Der Jazz – Seine Ursprünge und seine Entwicklung. Kassel 1958. S.53
  10. Wyman, Bill : „Blues“ Eine Reise ins Herz und zur Seele des Blues. London 2001. S. 68 ff.
  11. Carles / Conolli: Free Jazz. Frankfurt 1974. S. 121 ff.
  12. Wyman, Bill : „Blues“ Eine Reise ins Herz und zur Seele des Blues. London 2001. S. 91
  13. Albold /Bratfisch: Blues Heute. Berlin 1987. S. 55
  14. Dauer, Alfons M.: Der Jazz – Seine Ursprünge und seine Entwicklung. Kassel 1958. S. 11 ff.