Brundibár

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Brundibár

Hans Krása (1899-1944) komponierte 1938 die Musik nach dem Libretto seines Freundes, dem Autor und Maler Adolf Hoffmeister. Es geht um zwei Geschwister, die zusammen den bösen Leierkastenmann Brundibár besiegen. Anlass der Entstehung der Oper war ein Wettbewerb des Prager Ministeriums für Schulwesen und Volksbildung. Zur Auswertung des Wettbewerbs kam es jedoch nicht mehr, da Hitlers Truppen das Land besetzten. Als der Dirigent Rafael Schächter von der Existenz der Kinderoper erfuhr, entschied er sich, diese im Prager jüdischen Waisenhaus aufzuführen. Trotz seiner Deportation kam das Werk zur Uraufführung: Die Waisenkinder agierten ohne Orchester, mit drei Instrumentalisten, die aus dem Klavierauszug spielten. 1943 schmuggelte Rudolf Franek, der später die Aufführungen leiten sollte, einen Klavierauszug von „Brundibár“ nach Theresienstadt, damit der seit 1942 dort inhaftierte Hans Krása eine Partitur hiervon erstellen konnte. Die Instrumentierung passte er den Bedingungen und Gegebenheiten des Theresienstädter Ghettos an, einige wenige musikalisch-dramaturgische Dinge wurden verändert. Die NS-Führung missbrauchte die Musik, um 1944 eine Delegation des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) zu täuschen, als diese das Ghetto Theresienstadt besuchten. Auch in dem von Goebbels initiierten Propagandafilm „Theresienstadt. Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet.“ fehlte „Brundibár“ nicht. Dieser Film enthält die Schlussszene aus „Brundibár“ – ein letztes Zeugnis der Kinder von Theresienstadt, für die das Werk zum Symbol der Hoffnung, des Lebenswillens und des Guten wurde. Im Herbst 1944 wurden viele der Darsteller und Zuschauer, unter ihnen auch Hans Krása, nach Auschwitz abtransportiert. Von den 15.000 Kindern in Theresienstadt entkamen nur 200 dem Tod.