Gunild Keetmann

Aus WikiMusikP
Wechseln zu: Navigation, Suche

(*05.04.1904 in Elberfeld, +14.12.1990 in Breitbrunn/Chiemsee) war eine deutsche Musikpädagogin, Tänzerin und Komponistin, die sich v.a. in der Mitkonzeption und Vermittlung des Orff-Schulwerks auszeichnete.

Nach kurzen Studien in Bonn und Berlin (Musikwissenschaft, Kunstgeschichte, Sport) wechselte sie 1926 an die von Carl Orff und Dorothee Günther gegründete Günther-Schule für Musik, Tanz und Gymnastik in München, wo sie ab 1928 als Dozentin arbeitete. Im Zuge der dortigen interdisziplinären Arbeit entstanden Kompositionen für Tänzer, Schlagwerk und Blockflöten. In werkstattlicher Zusammenarbeit mit Carl Orff entstanden 1930 die Erstausgabe des Orff-Schulwerks. Für die Olympischen Sommerspiele 1936 komponierte Keetmann im Auftrag Carl Orffs den „Reigen zum Einzug der Kinder“. 1948 wurde Keetmann musikalische Leiterin bei Schulfunksendungen des Bayrischen Rundfunks und konzipierte mit Carl Orff die Sendereihe „Musik für Kinder“, aus der die gleichnamige, 5-bändige Neukonzeption des Orff-Schulwerks hervorging. Ab 1949 arbeitete Keetmann als Dozentin für die praktische Vermittlung des Orff-Schulwerks am Mozarteum Salzburg und betreute dort Lehrerfortbildungen, sowie Kindergruppen. 1961 wurde sie ebenda Leiterin des neugegründeten Orff-Institutes, betreute von 1963-75 die Schallplattenreihe „musica poetica“, die die Musik des Schulwerks dokumentierte. 1970 erschien das Buch „Elementaria. Erster Umgang mit dem Orff-Schulwerk“.

Durch ihre umfassende musikalische und tänzerische Ausbildung, sowie durch ihre Erfahrungen als Dozentin der Münchner Günther-Schule brachte Keetmann die nötigen Voraussetzungen mit, um praktische Herangehensweisen an das interdisziplinär konzipierte Orff-Schulwerk zu vermitteln. Dass sie in der öffentlichen Wahrnehmung im Gegensatz zu Carl Orff einen untergeordneten Platz einnahm und ihr Anteil an der Erstellung des Schulwerks oft unterschätzt wird, mag zum großen Teil auf ihre bescheidene und zurückhaltende Persönlichkeit zurückzuführen sein.


Literatur

  • Regner, Hermann (Hrsg.): „Gunild Keetmann – Ein Leben für Musik und Bewegung“, Schott-Verlag, Mainz 2004.
  • „Gunild Keetmann“ in: Helms/Schneider/Weber: Neues Lexikon der Musikpädagogik, Bosse-Verlag, Kassel, 1994.