Jekiss

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JEKISS- Jedem Kind seine Stimme ist eine von Inga Mareile Reuther gegründete Münsteraner Initiative, die ein Konzept zur Förderung des Singens in Grundschulen beinhaltet. Im Gegensatz zu anderen Initiativen dieser Art ersetzt bei JEKISS die Schulchorarbeit nicht den Musikunterricht, sondern ergänzt diesen. Der Schwerpunkt von JEKISS liegt auf der Initiierung von regelmäßigem Singen in der Grundschule. [1]

Das Konzept

Ziel beim Konzept JEKISS ist es, 100% aller Grundschulkinder zu erreichen, unabhängig vom kulturellen, finanziellen oder familiären Hintergrund. Ein großer Unterschied zu anderen Programmen liegt in der Kombination von Kinderchorarbeit und Lehrerfortbildung.[2] Bei JEKISS werden alle Lehrkräfte einer Grundschule in die Arbeit mit einbezogen.

Generell besteht das Konzept aus folgenden Bausteinen:

1) Chorlehrkraft 2) Schulchor 3) Lehrerfortbildung 4) Singen in der Klasse 5) Schulsingen 6) Lehrmaterialien

  1. Speziell ausgebildete Fachkräfte in Chorleitung, Stimmbildung sowie EMP oder allgemeiner Musikpädagogik leiten die Lehrer an und unterstützen diese. Die Chorlehrkraft konzipiert und leitet Punkt 2, das Schulsingen.
  2. Die Kinder kommen einmal in der Woche zum Schulchor zusammen, wo sie stimmtechnisch fundierter geschult werden und Lieder mit höherem Schwierigkeitsgrad erlernen. Die Teilnahme am Schulchor kostet 6 € pro Monat. Für Kinder, deren Eltern Leistungen nach dem SGB II oder SGB XII beziehen, und für Kinder, die an der Westfälischen Schule für Musik Instrumentalunterricht (Hauptfach) haben, ist die Teilnahme kostenfrei.
  3. Im Anschluss an den Schulchor bildet die Chorlehrkraft alle Lehrer über einen Zeitraum von einem Jahr fort. Die Schule selbst erhält am Ende des ersten Jahres das Zertifikat „Singende Grundschule“, wenn mindestens 70 Prozent aller Lehrkräfte die Fortbildung absolviert und regelmäßig Schulsingen stattgefunden haben.
  4. In der Klasse werden die Lieder nachgearbeitet und ritualisiert. Hier werden auch die Kinder erreicht, die nicht am Schulchor teilnehmen.
  5. In der Schule finden regelmäßig Schulsingen statt, die alle Kinder der Schule umfassen und von der Chorlehrkraft geleitet werden.
  6. Zu JEKISS sind Konzeptband, DVD, Liederbuch sowie ein CD- Paket erhältlich.[3]

Im Laufe gesamten Grundschulzeit wird ein Repertoire von ungefähr 60 Liedern (Volksliedern, neues Liedgut, Gospels, Lieder aus anderen Kulturen mit fremdsprachigen Texten) gebildet.[4] Das Programm läuft unabhängig vom Musikunterricht und beinhaltet keine Notenlehre und Musiktheorie, sondern konzentriert sich ausschließlich auf das durch Bewegung unterstützte Singen.

Geschichte

Das Projekt JEKISS startete 2007 in Form eines Modellprojekts über einen Zeitraum von 3 Jahren. Die Gesamtkosten von 250.000 Euro stellten das Land Nordrhein-Westfalen, die Sparkasse Münsterland Ost und die Stadt Münster zur Verfügung. Zusätzliche Unterstützung leisteten der Lions-Club Münster Annette von Droste-Hülshoff und die Terfloth-Stiftung.[5] Im Juli 2010 endete das Modellprojekt.

Aktueller Stand

Inzwischen sind mehr als 60% der Grundschulen in Münster an dem Projekt beteiligt. Auch auf andere Schulen wurde das Konzept übertragen, darunter Schulen der Stadt Leverkusen[6] und Neuss.[7]

Evaluation

Das Projekt wurde von August 2008 bis Juli 2010 von Dr. Erich Beckers (Projektleiter) von der Technischen Universität Braunschweig und Melanie Özdemier M.A. wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Der Bericht attestiert dem Projekt in allen Evaluationskriterien (Auswirkungen des Singens, Realisierbarkeit der Projektidee in der Praxis, beobachtete Auswirkungen des Projekts, Bewertung des Projekts durch die Beteiligten/ Akzeptanz des Projekts) beste Ergebnisse.

Vorteile/ Nachteile des Programms

Ein besonderes Merkmal des JEKISS‐Konzepts besteht darin, dass die Chorkinder in den Schulklassen eine Multiplikatorenrolle übernehmen. Sie sollen die Lehrerinnen im Unterricht bei der Vermittlung des Liedrepertoires und der Bewegungsabläufe unterstützen.

Mit dieser Idee geht ein interessanter didaktischer Aspekt einher. Aufgrund der im Chor erworbenen musikalischen Kompetenzen ist im Unterricht ein Rollenwechsel – vom Schüler zum Lehrer – möglich. Von den Beteiligten werden positive Auswirkungen des Projekts u. a. auf die Außenwirkung der Schule, das Schulklima, das Kollegium, das Schülerverhalten und den Unterricht in hohem Maße bestätigt. Da die Umsetzung des Projekts mit der pädagogischen Befähigung der Chorlehrkraft steht und fällt, lastet auf ihr viel Verantwortung. Sie muss in hohem Maße qualifiziert sein, um den Ansprüchen gerecht zu werden[8]

Eine weitere besondere Anforderung stellt das Co- Teaching dar: Ebenso wie bei JeKi handelt es sich bei JEKISS um ein Kooperationsprojekt (in diesem Fall von Grundschule und Chorlehrkraft). Auch hier kommt es auf Kommunikation an: Je reger der Austausch stattfindet (im Programm JEKISS als regelmäßige Lehrerfortbildung vorgesehen), desto besser können gebotene Hilfestellungen umgesetzt werden.[9] Die Musikschule Gütersloh plädiert beispielsweise für eine wöchentliche Fortbildung um Probleme zeitnah besprechen und Gelerntes schnell umsetzen zu können.[10]

Literatur

  • Neue Musikzeitung, Ausgabe 2/08

Weblinks

Einzelnachweise