Keyboards im Schulunterricht

Aus WikiMusikP
Wechseln zu: Navigation, Suche

Keyboards im Schulunterricht

Ein Keyboard ist ein elektronisches Tasteninstrument, das zur Klangerzeugung die elektronische Klangsynthese oder die Wiedergabe vorher gesampleter Klänge nutzt. Das Keyboard ist mitlerweile wichtiger Bestandteil des Musikunterrichts an allgemeinbildenden Schulen geworden.

Technik:

Synthesizer:

Bei Synthesizer-Keyboards wird der Klang durch Oszillatoren erzeugt, die elektrische Schwingungen verschiedener Art und mit beliebiger Frequenz erzeugen können. Verschiedene Schwingungeformen sind zum Beispiel die Sägezahn- oder die Rechteck-Kurve, am weitesten verbreitet ist aber die Sinusschwingung.

Bei der Klangerzeugung arbeiten meistens mehrere Oszillatoren zusammen, so dass nicht nur der Grundton, sondern auch verschiedene Obertöne (mit beliebiger Lautstärkenverteilung) in den Klang verarbeitet werden.

Diese noch rohe Mischung aus elektrischen Schwingungen wird dann noch mit Filtern und Effekten modifiziert, bis der gewünschte Klang erreicht ist. Wichtige Parameter für den endgültigen Klang ist noch die so genannte ADSR-Kurve, die den Lautstärkeverlauf eines Tons beim Spielen bestimmt:


Attack = Beginn des Tons, beispielsweise das Anblasen oder Anschlagen

Decay = Der Moment nach dem Anschlagen, in dem das Instrument an Lautstärke verliert

Sustain = Phase, in der der Klang konstant bleibt und sich nicht in der Lautstärke ändert

Release = Phase nach dem Sustain, wenn beispielsweise ein Blasinstrument abgesetzt wird


Die so entstandenen elektrischen Schwingungen werden dann von einer Endstufe verstärkt, um dann in den Lautsprechern in akustische Signale umgewandelt zu werden.

Samples:

Bei Sample-Klängen wird nicht wie beim Synthesizer der Klang durch Oszillatoren und eine Vielzahl von Effekten erzeugt, sondern ein zuvor aufgenommener und digitalisierter Klang abgespielt.

Dazu wird ein Instrument in einem gewissen Tonumfang (normalerweise der nutzbare Tonumfang des gesampleten Instruments) aufgenommen. Pro Halbton werden mehrere Samples in verschiedenen Lautstärken aufgenommen, um die sich ändernden Obertonspektren bei verschiedenen Spielweisen authentisch nachbildbar zu machen.

Wird das Keyboard nun gespielt, misst ein Sensor an jeder Taste die Anschlagsstärke (teilweise sogar den Anschlagdruck und die seitliche Bewegung der Finger auf der Taste) und spielt in der entsprechenden Tonhöhe mit der entsprechenden Lautstärke den im Keyboardspeicher abgelegten Klang ab. Dabei wird ebenfalls die ADSR-Kurve genutzt, die die Dauer von Attack, Decay, Sustain und Release festlegt.

Bei moderner Sampletechnik wird der Ton je nach der gespielten Länge in der Sustain-Phase wiederholt. So ist es möglich jedes Instrument auch bei langen Tönen realistisch klingen zu lassen.


Es gibt natürlich auch Keyboards, die sowohl Samples als auch synthetische Klänge in einem Gerät anbieten.

Die meisten Keyboards im für Schulen realisierbaren Preissegment verfügen über eine große Zahl von Klängen, die aber nicht mehr stark verändert werden können. Lediglich Effekte wie Hall, Echo oder Chorus können dann oft noch verändert werden.

Geschichte der Keyboards im Musikunterricht:

Vor den 1980er Jahren waren Keyboards an Schulen nur selten zu finden, während sie in Japan damals bereits sehr verbreitet waren.

Der Einzug des Keyboards in deutsche Schulen bekam seinen ersten großen Schub 1980 durch das System „Musidacta“. Es ermöglichte den Lehrenden, eine Klasse, die mit Keyboards und Kopfhörern ausgestattet war, nach Belieben zu verknüpfen und sich als Zuhörer und Moderator zuzuschalten. So konnten erste Keyboard-Ensembles im Unterricht realisiert werden.

1986 folgte dann ein anderes System von der „Akademie für Musikpädagogik“ in Mainz. Dieses Konzept sieht in seinem Plan nicht die alleinige Nutzung von Keyboards vor, sondern verbindet diese mit dem Orff’schen Instrumentarium und anderen traditionellen Instrumenten. Das war auch für die Schulen leichter zu realisieren, da kein kompletter Klassensatz an Keyboards angeschafft werden musste, sondern auch auf vorhandene Instrumente zurückgegriffen werden konnte. Gleichzeitig wurde vom Schott-Verlag „Die Musikwerkstatt“ herausgegeben und die Firma Yamaha entwarf ein für die Schule konzipiertes Keyboard. Auch Fortbildungsveranstaltungen wurden angeboten.

Das Keyboard heute in der Schule:

Bis heute hat das Keyboard immer mehr Bedeutung im Musikunterricht in der Schule gewonnen. Keyboards bestechen durch einige Vorteile gegenüber anderen Instrumenten.

Einerseits gibt es beim Einüben oder bei Gruppenarbeiten ein deutlich leiseres Geräuschniveau, da Keyboards auch über Kopfhörer abgehört werden können. Außerdem ist es mit Keyboards möglich, zahlreiche andere Instrumente klanglich zu imitieren, obwohl die erforderliche Spieltechnik gleich bleibt. So können alle Schüler die gleiche Technik erlernen und danach trotzdem mit dem Klang verschiedener Instrumente miteinander musizieren. Ein Keyboard intoniert immer gleich und hat einen großen Tonumfang. Es eröffnet außerdem die Möglichkeit, Grundlagen des Klavierspiels zu erlernen und bietet für musiktheoretische Zusammenhänge die fast immer genutzte Grundlage der Klaviertastatur, so dass Phänomene wie Halb- und Ganztonschritte, Intervalle, Akkorde usw. leicht von der Theorie in die Praxis umgesetzt werden können. Über die mittlerweile an allen Keyboards verfügbare MIDI-Schnittstelle kann zusätzlich die Arbeit mit Notations- oder Sequenzersoftware eingebunden werden oder die Verbindung zwischen Keyboards hergestellt werden.

Aber natürlich gibt es auch Einwände gegen die häufige Nutzung von Keyboards. Die finanzielle Belastung der Schulen ist recht hoch, wenn ein für ganze Klassen ausreichender Keyboardbestand gekauft werden soll. Vor allem benötigen Musikräume sehr viel Platz und viele Steckdosen für die Arbeit mit Keyboards , was relativ aufwändig ist. Ein ernster zu nehmendes Problem bei der Arbeit mit Keyboards im Musikunterricht besteht darin, dass die Schüler die Klangvorstellung und das Spielgefühl der vom Keyboard imitierten Instrumente verlieren, wenn sie das Instrument hauptsächlich durch eine Tastatur kennen lernen. Auch das Entstehen einer Tonvorstellung könnte durch Keyboards verloren gehen, da es keine Intonationsschwierigkeiten mehr gibt, wie zum Beispiel beim Singen.

Es gibt heute zahlreiche Ansätze, das Keyboard im Musikunterricht einzusetzen, beispielsweise beim Klassenmusizieren, aber auch für Gruppen- und Einzelarbeiten zum Komponieren, Arrangieren. Wie oben schon erwähnt, werden auch musiktheoretische Inhalte mithilfe der Keyboards praktisch vermittelt.

Literatur

  • Hans Joachim Erwe – Musizieren im Unterricht (aus: Kompendium der Musikpädagogik)
  • Georg Maas – Klassenmusizieren mit Keyboards
  • Rudolf-Dieter Krämer/ Wolfgang Rüdiger (Hg.) - Ensemblespiel und Klassenmusizieren in Schule und Musikschule (Wißner-Verlag 2001)