MoMo- Monheimer Modell

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Beim Monheimer Modell (kurz: MoMo) handelt es sich um ein 1998 ins Leben gerufene Modell zur flächendeckenden Kooperation zwischen Musikschule und Grundschule. Das Konzept dazu stammt u.a von Karl-Heinz Zarius (Musikhochschule Köln/Wuppertal). Ziel dabei ist es, einer möglichst breiten Masse an Schülern Zugang zum Instrumentalunterricht zu bieten.

Das Konzept

Das gesamte Monheimer Modell fußt auf den Lehrplänen des Verbandes deutscher Musikschulen (VdM) und überträgt diese in die Arbeit mit den Grundschulen.

In einem speziell entwickelten Instrumentenkarussell machen alle Kinder im ersten Schuljahr erste Erfahrungen im Instrumental- und Ensemblespiel, der Unterricht ist zunächst kostenlos. Um besser auf die Kinder eingehen zu können werden die Klassen halbiert. Fachlehrkräfte der Musikschule stellen in jeweils drei bis vier Unterrichtsstunden ihren Instrumentalbereich vor. Jede Grundschule ist hierfür mit Klassensätzen der benötigten Instrumente ausgestattet. Förderung vor allem von Seiten des Landes und der örtlichen Sparkassenstiftung schaffen die finanzielle Grundlage und ermöglichen die Anschaffung der im ersten Schuljahr eingesetzten ca. 500 Instrumente.

Ab dem zweiten Schuljahr wird den Kindern kostengünstiger Instrumentalunterricht von Musikschulkräften angeboten. Die dazu benötigten Leihinstrumente werden dabei kostenlos zur Verfügung gestellt.[1] Seit 2010 existiert außerdem als Erweiterung von MoMo das Konzept „MusikManufaktur“, in dem jede Grundschule ein eigenes, regelmäßig probendes Ensemble gründet.[2] Zu diesem Zweck wird mit Unterstützung des Landes NRW leicht handhabbares Ensemblematerial für Kinderorchester entwickelt.[3]

In ihrer Zielsetzung und organisatorischen Herangehensweise weisen MoMo und JeKi (Jedem Kind ein Instrument) vielfältige Übereinstimmungen auf. Der wesentliche Unterschied liegt in der Gestaltung des ersten Unterrichtsjahres, zudem wird beim MoMo für den Unterricht im ersten Schuljahr kein Entgelt erhoben, was dazu führt, dass alle Erstklässler das Angebot wahrnehmen können.

Geschichte

Der Grundstein für MoMo wurde bereits 1998 gelegt, als die Musikschule Monheim am Rhein und die Astrid-Lindgren Grundschule im Projekt „Persönlichkeitsentwicklung durch Musikerziehung“ miteinander kooperierten. Seit dem Schuljahr 2006/2007 erhalten erstmals sämtliche Erstklässler aller sieben Monheimer Grundschulen kostenlosen Musikschulunterricht innerhalb ihrer Schule. 2007/2008 machen 50% der Zweit-und Drittklässler von dem anschließenden kostengünstigen Instrumentalunterricht Gebrauch.[4]

Aktueller Stand

Derzeit wird nicht nur in Monheim nach dem Monheimer Modell unterrichtet, sondern auch in Freiburg und Ratingen. Des weiteren ist auch in Hamburg, München und Berlin die Einführung geplant. Auf große Resonanz stößt auch die Mappe mit den Unterrichtsmaterialien, die bereits in der zweiten Auflage erscheint.[5]

Die MusikManufaktur ist bereits die zweite Veröffentlichung aus dem Monheimer Modell, die allen Musikschulen in Deutschland zur Verfügung gestellt wird (derzeit haben etwa 20% der deutschen Musikschulen die Orchestermaterialien der Musikmanufaktur und etwa 30% die Materialien für das erste Schuljahr beschafft).[6]

Evaluation

In dem vorgelegten Evaluationsbericht „MoMo verbindet!Musik erleben und lernen in der „Musikschule für alle“ wurden von Prof. Dr. Maria Luise Schulten und Dr. Kai Stefan Lothwesen im Jahr 2007/2008 folgende Bereiche untersucht: Curriculare Aspekte, Aspekte der Organisation sowie Sozialpsychologische Aspekte (Motivation/ Erwartungen). Daraus ergaben sich folgende Einsichten und Empfehlungen: Generell schnitt das Programm sehr positiv ab. Besonders hervorgehoben wird die Strukturierung und Organisation, die Lehrer- und Elternschaft wird in allen Bereichen als sehr motiviert beschrieben. Handlungsbedarf besteht laut dem Bericht noch im Elternkontakt, der Differenzierung der pädagogischen Begleitung (Schulung der Lehrkräfte um sie auf den gleichen Stand zu bringen) und der Spezialisierung des didaktischen Materials.[7]

Vorteile/ Nachteile des Programms

Das Monheimer Modell erfordert speziell geschulte Instrumentallehrkräfte die nach Möglichkeit über eine Qualifikation im Bereich EMP oder Klassenmusizieren verfügen. Da sich die Suche nach geeigneten Lehrern nicht immer als einfach erweist, wurden bereits Fortbildungen zur Erschaffung von Lehrkräften speziell für diesen Bereich angeregt und auch schon angeboten.[8]

Ähnlich wie bei JeKi und ähnlichen Konzepten profitieren auch beim MoMo die Kinder musikalisch und sozial. Außerdem versucht MoMo, bzw. schafft es im ersten Schuljahr sogar, möglichst alle Kinder, unabhängig von ihrer Herkunft in das Programm mit einzubeziehen.

Auch bei MoMo sei an dieser Stelle auf die Problematik des Co-Teachings verwiesen: Immer wenn Lehrkräfte verschiedener Institutionen aufeinandertreffen, erfordert dies ein besonderes Maß an Kommunikation. Einen guten Einblick in die Thematik bietet der Bericht „Lehrer Kooperation im JeKi-Kontext: Erwartungen und Umsetzungen“ von Sabrina Kulin & Melanie Özdemir.[9]

Preise und Auszeichnungen

  • 1999 erhielt das Projekt „Persönlichkeitsentwicklung durch Musikerziehung“ den Robert-Jungk-Preis.[10]
  • Im April 2008 bekommt die städtische Musikschule Monheim den Preis „Inventio“ überreicht. Verliehen wurde dieser vom Deutscher Musikrat und der Stiftung „100 Jahre Yamaha“.[11]
  • 2008: Die Kulturstiftung der Länder und die Deutsche Bank Stiftung als Partner und Förderer des Wettbewerbs „Kinder zum Olymp“ vergeben den Sonderpreis des Verbands Deutscher Musikschulen an MoMo.[12]

Literatur

  • Zarius, Thomanek, Sommerfeld: Monheimer Modell, Musikschule für alle! Strukturkonzept, Unterrichtsmaterial, Planungshilfen. Herausgeber: Stadt Monheim am Rhein, Monheim 2007

Weblinks

Einzelnachweise