Musique concrète

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Musique concrète

Als Musique concrète bezeichnet man ursprünglich Elektroakustische Musik aus Frankreich, die aus aufgezeichneten, natürlichen - daher konkreten - Klängen besteht. Sie unterscheidet sich dahingehend von der zeitgleich an Bedeutung gewinnenden rein Elektronischen oder Elektroakustischen Musik (aus Köln), deren Material einzig mit elektronischen Klangerzeugern erzeugt wird.[1][2][3]


Ursprung der Musique concrète

Nicht nur begrifflich setzt sich die Musique concrète vor allem von der traditionellen, geistig konzipierten und in Notenschrift abstrakt festgehaltenen Musik ab: Die Musique concrète war zunächst als rein radiophone Kunstform gedacht. Die erste Ausstrahlung von Musique concrète fand 1948 im Pariser Rundfunk unter dem Titel "Cinq études de bruits" statt und bestand aus fünf von Pierre Schaeffer produzierten „Studien“ die überwiegend aus Alltagsklängen bestanden. Allerdings gab es bereits ab 1944 erste Ausstrahlungen von Hörstücken Schaeffers, bei denen Sprache, Musik und klanglicher Dekor gleichberechtigt nebeneinander standen. Er gilt zusammen mit Pierre Henry als der Begründer der Musique concrète. 1950 folgte das erste öffentliche Konzert mit Musique concrète im Pariser Ècole Normale de Musique mit dem die Musik erstmals in konzertantem Rahmen präsentiert wurde. Dabei spielten keine Musiker auf der Bühne; die Musik wurde einzig durch im Saal verteilte Lautsprecher wiedergegeben (was unter dem Begriff Acousmonium zu einem Aufführungsstandard wurde).[4][5][6]


Gestaltungstechniken

Die frühen Komponisten verweigerten sich jeder formalen Bindung. Einzig die Möglichkeiten der Klangverfremdung mit den vorhandenen technischen Rundfunkgeräten jener Zeit gaben die Grenzen zur Gestaltung von Werken vor: Zunächst Schallplattenspieler (Schleifen auf Endlosrillen) und später Tonbandgeräte und Filter (Schleifen, Schnitte, Tempo- und Tonhöhenvariationen, Eingriffe ins Klangspektrum) Die Musique concrète kann gerade deshalb als Vorreiter von (populären) Musikstilen gesehen werden, die ihre Wurzle in der Technik des Samplings haben (z.B. Hip Hop und Techno/Electro).[7][8]


Musique concrète in der Schule

Gerade im Unterricht an Schulen lassen sich bei der Thematisierung der Neuen Musik am Beispiel der Musique concrète sehr gut praxisorientierte Unterrichtseinheiten gestalten. Mit dem heutigen technische Rechnerstandard und der Verfügbarkeit kostenloser und funktioneller Open Source Audio-Software lassen sich besser denn je die Arbeitsmethoden der Pioniere der Musique concrète nachvollziehen und vor allem mit den aktuellen technischen Möglichkeiten eigenen Stücke erstellen. In Bezug auf einige aktuelle Populäre Musikproduktionen (z.B. M.I.A. auf Ed Banger, Frankreich. 2011) bei denen wieder Geräuschcollagen und das Erstellen von Beats aus alltäglichen Klängen zu großen Teilen in die Musik einfließen, lassen sich auch Genre- und Epochenübergreifende Unterrichtseinheiten sinnvoll realisieren.




Literatur:

  1. Fricke, Stefan und Jeschke, Lydia: SWR2 Kompass Neue Musik. Saarbrücken 2007.
  2. Ruschkowksi, André: Elektronische Klänge und musikalische Entdeckungen. Stuttgart 2010.
  3. siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Musique_concrète
  4. Ruschkowksi, André: Elektronische Klänge und musikalische Entdeckungen. Stuttgart 2010.
  5. siehe auch: http://en.wikipedia.org/wiki/Pierre_Schaeffer
  6. siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Pierre_Henry
  7. Ruschkowksi, André: Elektronische Klänge und musikalische Entdeckungen. Stuttgart 2010.
  8. Ungeheuer, Elena (Hrsg.): Elektroakustische Musik. Laaber 2000.