Orff-Schulwerk

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Von Carl Orff (*10.07.1895 in München, +29.03.1982 ebd.) in Zusammenarbeit mit Gunild Keetmann (*05.04.1904 in Elberfeld, +14.12.1990 in Breitbrunn/Chiemsee) entwickelte Reihe von Materialsammlungen und Arbeitsmodellen zur elementaren Musikpraxis im schulischen Kontext. Die Sammlungen stellen gleichsam die Konkretisierung der musikpädagogischen, sowie künstlerisch-kompositorischen Konzeptionen Orffs dar.

Die 1930 erschienene Erstkonzeption des Schulwerks entstammt der interdisziplinären Arbeit an der von Orff mitgegründeten Münchner Günther-Schule für Gymnastik, Tanz und Musik, deren musikalischer Leiter er war. Die durch Leo Kestenberg intendierte Einführung des Schulwerks an Berliner Schulen konnte wegen der Machtübernahme der Nationalsozialisten nicht mehr stattfinden. Aus einer von Orff und Keetmann für den Bayrischen Rundfunk publizierten Sendungsreihe entstanden unter dem Titel „Musik für Kinder“ ab 1948 in Zusammenarbeit 5 Hauptbände. 1963 eröffnete unter der Leitung Gunild Keetmanns das an das Mozarteum Salzburg angegliederte Orff-Institut zur Vermittlung praktischer, methodisch-didaktischer Kompetenzen im Umgang mit dem Orff-Schulwerk im Unterrichtskontext. Orff-Gesellschaften in zahlreichen Ländern weltweit beschäftigen sich mit der Aktualisierung, bzw. Anpassung des Orff-Schulwerks an regionale Gegebenheiten.

Grundlage ist die Annahme einer vorbewussten, grundsätzlichen Begabung jedes Kindes in den Bereichen Musik, Bewegung und Sprache, als deren verbindendes Element Orff den Rhythmus ansieht. Die mit dem Schulwerk intendierte, elementare Musikübung vor dem Erlernen eines Instrumentes versucht, Zugänge aus dieser menschlichen Disposition heraus zu entwickeln. In unterschiedlich besetzbaren Sing-, Spiel- und Sprechstücken ist Musik der Kinderzeit verarbeitet: Kinderlieder, Sprüche, Rufe und Reime aus der europäischen und außereuropäischen Volkslyrik, verschiedene Dialekte, jedoch auch Auszüge der Lyrik Goethes und Hölderlins. Dabei ist von Seiten Orffs und Keetmanns immer wieder betont worden, dass es sich bei den vorliegenden Bänden keinesfalls um strenge Reproduktionsvorgaben handelt. Vielmehr steht die Möglichkeit im Vordergrund, der Entwicklungsstufe der SchülerInnen entsprechend Musik aus der Improvisation heraus auf elementare Weise neu zu erschaffen, zu instrumentieren, im gemeinsamen Spiel erklingen zu lassen und so grundlegende Prinzipien der Sprache Musik kennenzulernen.

Eine detaillierte Gebrauchsanweisung im Sinne einer methodisch-didaktischen Anleitung ist in den Bänden des Schulwerks jedoch nicht enthalten. Umso stärker muss deshalb die große Bedeutung der Arbeit Gunild Keetmanns in Bezug auf die Vermittlung praktischer Umgangsweisen mit dem Orff-Schulwerk und -Instrumentarium hervorgehoben werden.


Literatur

  • Amoaku, W.K.: „Parallelism in traditional African System of Music education and Orff Schulwerk“ in: African Music; 1982
  • Jungmair, Ulrike: Das Elementare. Zur Musik- und Bewegungserziehung im Sinne Carl Orffs; Mainz, Schott-Verlag 1992
  • Keetman, Gunild / Orff, Carl: Orff-Schulwerk. Musik für Kinder Bde. 1-5. Ergänzungsband: Paralipomena. Beiheft: Lieder für die Schule; Mainz, Schott-Verlag 1950/54
  • Orff, Carl: „Bewegungs- und Musikerziehung als Einheit“ in: Die Musik, XXIII/10, 1931
  • Orff, Carl / Keetman, Gunild: Musik für Kinder; Mainz, Schott-Verlag 1950