Percussionsklassen

Sinnvoller handlungsorientierter Unterricht oder musisches Drauflosfideln und -blasen? Hier können Sie die Positionen diskutieren und praktische Fragen in der Umsetzung erörtern.

Moderator: Dirk Bechtel

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Uta-Beate Rabe
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Percussionsklassen

Beitrag von Uta-Beate Rabe » 3. Nov 2003 15:22

Hallo,
habe gerade am vergangenen Wochenende eine 5-phasige Fortbildung zum Thema Klassenmusizieren mit Percussionsinstrumenten bei Bernd Kremling beendet. Der Kurs informierte umfassend über die Instrumente und wir haben viel Literatur kennengelernt. Vor allem wurde viel selbst gepielt, allein oder im Ensemble. Herr Kremling ist ein ausgezeichneter Schlagzeuger und schaffte es immer wieder, den Teilnehmer mit Hilfe seines reichen Methodenrepertoires die schwierigsten Rhythmen so zu verklickern, dass unsere Musik ganz vernüftig groovte.
Auch der Bezug zum Unterricht in der Klasse war hin und wieder gegeben, dennoch scheint es in diesem Bereich kein Konzept für "Percussionsklassen" zu geben wie bei den Bläsern und Streichern. Jetzt mein Anliegen bzw. meine Frage: Gibt es vielleicht doch irgendwelche Konzepte, von denen ich noch nichts weiß oder arbeitet von euch jemand auch in dem Bereich, sodass man sich hier über das Forum austauschen könnte?? Mein Ziel wäre es schon, ähnlich wie bei den Bläser- und Streicherklassen, ein Konzept für Percussionsklassen zu entwickeln, so dass man nach und nach SchülerInnen hat, die ein Percussionsensemble im AG -Bereich bilden können.

Gruß -- Uta Rabe

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Dirk Bechtel
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Percussionsklasse als allgemeinbildender Musikunterricht?

Beitrag von Dirk Bechtel » 3. Nov 2003 19:20

Ich frage einmal umgekehrt: ist es wirklich wünschenswert, eine Percussionsklasse einzurichten?

Grundsätzlich finde ich: Percussion (und grundsätzlich: Klassenmusizieren!) im Unterricht - ja, auf jeden Fall!

Aber in allgemeinbildenden (!) Musikunterricht gehört doch mehr als "nur" das Musizieren auf einer bestimmten Instrumentengruppe. Dazu gehört auch Singen, sich zu Musik bewegen (in verschiedenen Formen), über Musik reden und diskutieren, etwas über (historische) Entwicklungen und fremde Kulturen lernen und vieles mehr.

Eine Percussionsklasse scheint mir da eine Einschränkung in der Bandbreite, die allgemeinbildender Musikunterricht eigentlich abdecken sollte. Das gleiche Problem sehe ich übrigens auch bei vielen "Bläser-" oder "Streicherklassen", die (nicht immer, aber leider oft!) die Musikpraxis auf Blas- oder Streichinstrumenten einfach an Stelle des allgemeinbildenden Musikunterrichts gesetzt haben.

Wenn dagegen gemeint ist, innerhalb des Musikunterrichts einen Schwerpunkt auf den Aspekt "Percussion" zu legen, hätte ich kein Problem damit. Dafür brauchte ich aber kein spezielles "Bläserklassen-Konzept", da würde es m.E. genügen, einfach die praktischen Anteile, die im "normalen" Musikunterricht schon integriert sind, etwas weiter ausbauen (in unseren Klasse ist das bisher: in 5/6 Bodypercussion, Live-Arrangement, Rhythm. Begleitung zu Klassenarrangements; in 7: Schwerpunkt Latin; in 8: Schwerpunkt Drum-Set in Rock und Stomp-Performance; usw.). Das finde ich allerdings schon recht viel und ich wüsste ehrlich gesagt nicht, was man an den "anderen" Unterrichtsinhalten streichen sollte, um noch mehr Gewicht auf das Thema "Rhythmus / Percussion" zu legen.

Was meinen die KollegInnen hier im Forum?

Viele Grüße,
--Dirk Bechtel
Zuletzt geändert von Dirk Bechtel am 9. Nov 2003 21:06, insgesamt 1-mal geändert.

Uta-Beate Rabe
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Percussionsklassen

Beitrag von Uta-Beate Rabe » 3. Nov 2003 21:37

Hallo Dirk,
Aber in allgemeinbildenden (!) Musikunterricht gehört doch mehr als "nur" das Musizieren auf einer bestimmten Instrumentengruppe. Dazu gehört auch Singen, sich zu Musik bewegen (in verschiedenen Formen), über Musik reden und diskutieren, etwas über (historische) Entwicklungen und fremde Kulturen lernen und vieles mehr.
Da bin ich ganz deiner Meinung! Es ist bei diesen Konzepten ja auch garnicht so, dass"nur" musiziert wird, sondern das Erlernen eines Instrumentes im Klassenunterricht für SchülerInnen, die von zu Hause die Möglichkeiten nicht bekommen und das gemeinsame Musikmachen soll ja gerade Basis für Gespräche, Theorie, Bewegung, Kennenlernen fremder Kulturen... sein.
Eine Percussionsklasse scheint mir da eine Einschränkung in der Bandbreite, die allgemeinbildender Musikunterricht eigentlich abdecken sollte.
Percussion heißt ja auch nicht nur Trommeln und Kleinpercussion - also Rhythmus pur, sondern
natürlich werden auch Marimbafone miteingesetzt - also Melodie- und Harmonieinstrumente, sodass alle Arten von Musik realisiert werden können. Denkbar ist auch eine Mischung aus Bläsern und Percussionsinstrumenten.
Eben weil ich nicht nur Musikmachen will, suche ich nach einem Konzept, um einen möglichst umfassenden Musikunterricht mit hohem Praxisanteil zu gestalten!! Alles andere wäre Ensembleleitung und das habe ich ja gelernt.

Bin gespannt, was die Kollegen, die solche schon vielfach vorhandenen Bläser-bzw. Streicherklassen leiten, zu deiner Kritik sagen. Haben sie dem etwas entgegenzusetzen?

Gruß --- Uta Rabe

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Dirk Bechtel
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Re: Percussionsklassen

Beitrag von Dirk Bechtel » 3. Nov 2003 22:48

Percussion heißt ja auch nicht nur Trommeln und Kleinpercussion - also Rhythmus pur, sondern natürlich werden auch Marimbafone miteingesetzt - also Melodie- und Harmonieinstrumente, sodass alle Arten von Musik realisiert werden können. Denkbar ist auch eine Mischung aus Bläsern und Percussionsinstrumenten. Eben weil ich nicht nur Musikmachen will, suche ich nach einem Konzept, um einen möglichst umfassenden Musikunterricht mit hohem Praxisanteil zu gestalten!
Hallo Uta,

genau so sollte m. E. möglichst jeder Musikunterricht aussehen!

Deshalb stören mich Begriffe wie "Bläserklassen" usw. immer mehr, v.a. da es leider doch häufig darauf hinausläuft, dass in diesem Unterricht der Instrumentalunterricht den allgemeinbildenden Unterricht ersetzt.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: ich habe überhaupt nichts gegen die Vermittlung instrumentaler Fertigkeiten im Rahmen des Musikunterrichts! Wir haben an unserer Schule selbst in Kooperation mit der Musikschule Bläsergruppen installiert. Aber dieser Unterricht findet dann in kleinen Gruppen statt (nach Instrumenten getrennt, nicht alle auf einmal!) und die zweite Musikstunde findet jeweils mit der ganzen Klasse statt. Dabei wird der Bläserunterricht von ausgebildeten Instrumentallehrern durchgeführt und die Inhalte der Kleingruppen- und Klassenstunden sind aufeinander abgestimmt. Wenn man so will also Teamteaching als durchgehendes Prinzip im Musikunterricht der 5./6. Klassen, um die Praxisanteile des Musikunterrichts erweitern und verbessern zu können.

Viele Grüße
--Dirk

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Beitrag von Uta-Beate Rabe » 5. Nov 2003 16:58

Hallo Dirk,
Wir haben an unserer Schule selbst in Kooperation mit der Musikschule Bläsergruppen installiert. Aber dieser Unterricht findet dann in kleinen Gruppen statt (nach Instrumenten getrennt, nicht alle auf einmal!) und die zweite Musikstunde findet jeweils mit der ganzen Klasse statt. Dabei wird der Bläserunterricht von ausgebildeten Instrumentallehrern durchgeführt und die Inhalte der Kleingruppen- und Klassenstunden sind aufeinander abgestimmt.
Dies ist doch nichts anderes als z.B. das Yamaha-Bläserklassenkonzept aussagt! Nur das dort noch eine Stunde mehr Unterricht mehr vorgesehen ist und es günstige Konditionen für die Instrumente ( natürlich Yamaha Instrumente, das stört mich an diesen Konzepten) gibt.
Und was macht ihr dann in der einzelnen Stunde, in der die ganze Bandbreite des allgemeinbildenden MU und das Spielen im Ensemble absolviert werden muss??
Wie finanziert ihr euer Mischkonzept. Bringen die Schülerinnen eigene Instrumente mit und bezahlen den Unterricht selbst oder wie??

Herzliche Grüße --- Uta

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Beitrag von Dirk Bechtel » 5. Nov 2003 17:43

Uta-Beate Rabe hat geschrieben: Dies ist doch nichts anderes als z.B. das Yamaha-Bläserklassenkonzept aussagt! Nur das dort noch eine Stunde mehr Unterricht mehr vorgesehen ist und es günstige Konditionen für die Instrumente (natürlich Yamaha Instrumente, das stört mich an diesen Konzepten) gibt.
Ich habe ja ausdrücklich geschrieben: nicht immer, aber leider oft wird der allgemeinbildende Unterricht ersetzt!

Viele „Bläserklassen“, die ich kenne, sehen so aus, dass 2-3 Stunden pro Woche alle SchülerInnen mit ihren Instrumenten in den Musikunterricht kommen und dann im Prinzip eine Ensembleprobe oder Großgruppen-Instrumentalunterricht haben. Genau dann ist die schulische Aufgabe von allgemeinbildendem Musikunterricht nicht erfüllt - abgesehen davon, dass diesen Instrumentalunterricht eigentlich dafür ausgebildete InstrumentallehrerInnen auch besser erteilen könnten als MusiklehrerInnen. Wobei ich grundsätzlich problematisch finde, wenn dieser Unterricht dann auch noch von einer einzigen Person auf den unterschiedlichsten Instrumenten (und das möglicherweise noch gleichzeitig) erteilt wird.
Uta-Beate Rabe hat geschrieben: Und was macht ihr dann in der einzelnen Stunde, in der die ganze Bandbreite des allgemeinbildenden MU und das Spielen im Ensemble absolviert werden muss??
Die Frage verstehe ich nicht so ganz... wir machen Musikunterricht. (Und dazu gehört natürlich auch das Klassenmusizieren. Was allgemeinbildender Musikunterricht im Detail ist, steht bei uns in Nordrhein-Westfalen auf über 100 Seiten im Lehrplan, die ich jetzt nicht ausführlich zitieren möchte ;-)

Der einzige Unterschied zum üblichen Musikunterricht mit einem einzelnen Musiklehrer und mit den herkömmlichen Klasseninstrumenten ist der, dass wir in einer der beiden Musikstunden die zusätzliche Unterstützung von drei InstrumentallehrerInnen haben und das Instrumentarium für den Unterricht - neben Keyboards, Percussioninstrumenten, E-Bass usw. - auch pro Jahrgang um 24 Blasinstrumente erweitert haben, die die SchülerInnen zum Üben auch mit nach Hause nehmen können; dadurch wird die Qualität des Klassenmusizierens im Rahmen des allgemeinbildenden Musikunterrichts, wie er Aufgabe der allgemeinbildenden Schule ist, deutlich verbessert.
Uta-Beate Rabe hat geschrieben: Wie finanziert ihr euer Mischkonzept. Bringen die Schülerinnen eigene Instrumente mit und bezahlen den Unterricht selbst oder wie??
Die drei Lehrkräfte werden z. T. durch einen Teilnahmebeitrag (15 Euro pro Monat), der Rest durch die Musikschule finanziert. Die Leihgebühr für die Instrumente beträgt ebenfalls 15 Euro. Übrigens gibt es auch bei uns die dritte, zusätzliche Musikstunde, die dann eine reine Ensemblestunde ist.

Genauere Informationen gibt es übrigens auf dem Hessischen Bildungsserver. Unser Bläserprojekt ist nämlich angelehnt an ein Modell, das in Hessen entwickelt und über mehrere Jahre erprobt und wissenschaftlich begleitet worden ist (in unserem Fall speziell die Variante „Einwahlgruppen aus einem ganzen Jahrgang“):
http://www.lernen.bildung.hessen.de/mus ... e/kurzinfo

Viele Grüße,
--Dirk
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Beitrag von Dirk Bechtel » 5. Nov 2003 17:51

Nachtrag: noch ein Literaturtipp zum dem angesprochenen Modell :!:

Es gibt von Johannes Bähr, Werner Jank und Christoph Schwab einen sehr hilfreichen, ausführlichen Beitrag über Musikunterricht und Ensemblespiel im Rahmen von Kooperationen zwischen Schule und Musikschule, der auch auf das oben beschriebene Modell eingeht. Hat mir sehr bei den Argumentationen vor Schulleitung, Schulkonferenz, Bezirksregierung usw. geholfen...:

Bähr, J.; Jank, W.; Schwab, C.: Musikunterricht und Ensemblespiel im Rahmen der Kooperation von allgemeinbildender Schule und Musikschulein: Kraemer, R./Rüdiger, W. (Hg.): Ensemblespiel und Klassenmusizieren in Schule und Musikschule. Ein Handbuch für die Praxis
Zuletzt geändert von Dirk Bechtel am 9. Nov 2003 23:13, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitrag von Uta-Beate Rabe » 6. Nov 2003 20:18

Hallo Dirk,
erstmal vielen Dank für deine Bereitschaft mit mir über das Problen "...klassen" zu diskutieren; vielleicht melden sich ja auch noch andere KollegInnen zu Wort.
Ich denke, wir können die Diskussion dann auch erstmal beenden. Nur noch ein paar Anmerkungen:
abgesehen davon, dass diesen Instrumentalunterricht eigentlich dafür ausgebildete InstrumentallehrerInnen auch besser erteilen könnten als MusiklehrerInnen. Wobei ich grundsätzlich problematisch finde, wenn dieser Unterricht dann auch noch von einer einzigen Person auf den unterschiedlichsten Instrumenten (und das möglicherweise noch gleichzeitig) erteilt wird.
Beim Yamaha Konzept ist dies genauso, das setzt auf Zusammenarbeit mit der Musikschule, lediglich die Fortbildungen der Akademie für Musikpädagogik (Wiesbaden) schulen so, dass man als Lehrer alles selbst machen soll, was ich auch für problematisch halte.
Nun gut, ich werden mal auf dem hess. Bildungsserver nachlesen und mir auch noch mal das von die empfohlene Buch angucken. Ich fand es nicht so interessant, als ich es kurz nach seinem Erscheinen las.
Also, nochmals vielen Dank auch für diese Hinweise.
Viele Grüße -- Uta

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Percussionsklassen

Beitrag von Uta-Beate Rabe » 8. Nov 2003 11:47

Hallo Dir,
nun melde ich mich doch noch einmal zu Wort. Habe nämlich mit großem Interesse die Ausführungen zum hessischen Projekt "Kooperation von Musikschule und allgemeinbildender Schule" gelesen. Das ist ja super und genau das, was ich mir für meine Schule und die SchülerInnen wünschen würde. Ich weiß allerdings nicht inwieweit die Musikschule zu einer Zusammenarbeit bereit ist, muss man eruieren.
Nun meine Frage: Sind die von den AG ausgearbeiteten U-Einheiten, in denen Inhalte des allg. Unterricht mit dem I-Unterricht und den Ensemblestunden verbunden werden, irgendwo veröffentlicht? Oder kann man wenigsten exemplarisch ´mal so eine Einheit nachlesen, damit man sich ein noch konkreteres Bild von dem Projekt machen kann?
Wir sind sicher genauso bereit, wenn wir erstmal eine ähnliche "Musikklasse" eingerichtet haben - 2003/04 soll es mit einer 5ten losgehen - geeignete Einheiten anzubieten. Aber erstmal müssen wir ja anfangen und könnten schon ´mal auf "Bewährtes" zurückgreifen. Unsere Schule ist übrigens ein Gymnasium.

Herzliche Grüße .. Uta Rabe

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Re: Percussionsklassen

Beitrag von Dirk Bechtel » 9. Nov 2003 12:20

Uta-Beate Rabe hat geschrieben: Nun meine Frage: Sind die von den AG ausgearbeiteten U-Einheiten, in denen Inhalte des allg. Unterricht mit dem I-Unterricht und den Ensemblestunden verbunden werden, irgendwo veröffentlicht? Oder kann man wenigsten exemplarisch ´mal so eine Einheit nachlesen, damit man sich ein noch konkreteres Bild von dem Projekt machen kann?
Veröffentlichte Unterrichtseinheiten sind mir nicht bekannt. Aber ich finde, dass die aktuellen Schulbücher für den Musikunterricht sehr gut geeignet sind, solche Unterrichtseinheiten zu entwickeln. Wir nutzen Soundcheck und Amadeus; beide bieten viele Möglichkeiten für die Integration des Klassenmusizierens. Das wird natürlich durch weiteres Material ergänzt, wozu wir u.a. auch die Materialien der Yamaha-Bläserklasse hinzuziehen. Außerdem wird vieles selbst arrangiert, damit es der jeweiligen Situation / den vorhandenen Instrumenten / den Aufgabenstellungen / dem Stand der Gruppe usw. angemessen ist.

Das Wesentliche ist aber, dass wir uns regelmäßig zusammensetzen und gemeinsam, als Team der beteiligten Musik- und InstrumentallehrerInnen, unseren Unterricht planen und koordinieren (was nicht heißt, dass jeder das Gleiche machen muss!). Das macht natürlich mehr Arbeit als das Planen alleine, aber der Austausch lohnt sich!

Viele Grüße,
--Dirk

GAdermann

Bläserklassen allein unterrichten?

Beitrag von GAdermann » 9. Nov 2003 19:18

Hallo Uta und Dirk,

habe gerade Eure Ausführungen zum Klassenmusizieren gelesen. Also, ich bin "Eine" von der Akademie für Musikpädagigik und vertrete auch das Konzept, in den ersten 2 Jahren (!) die Bläserklasse allein zu führen. Argumente:
1. Der Elternbeitrag reduziert sich nur auf die Instrumentenleihgebühr, das sind bei uns z.Z. 15 €. Ich habe viele Schüler, die von Sozialhilfe leben (auch im Gymnasium) und für die ist dies die absolute Obergrenze.
2. Wenn ich immer alle Schüler zusammen habe, dann kann ich genau die Dinge ständig mit einbauen, die allgemeinbildend gewünscht werden: also Singen, Zuhören, Über Musik reden etc. Der Idealfall: 2 Stunden mit dem Instrument, 1 Stunde für Dinge wie Tanzen o.Ä.
3. Die Angst, etwas falsch zu machen, ist bei gründlicher Ausbildung der Lehrerin oder des Lehrers unbegründet. Die Ausbildung bei der Akademie ist gründlich, aber nur so gut, wie sich jeder Interessierte auch privat noch "reinhängt", d.h. wie intensiv die Teilnehmer der Kurse privat auch üben und eventuell sogar selbst noch zusätzlich privat auf den einzelnen Instrumenten Unterricht nehmen. Dann sind alle Absolwenten unserer Ausbildung gerüstet, die ersten zwei Jahre allein die Bläserklasse zu führen. Spätestens nach zwei Jahren empfehle ich dann den Schülern zusätzlichen Instrumentalunterricht, mein Unterricht kann nur ein Einstieg sein und die Schule kann nur Multiplikator für die Musikschule und Privatmusikerzieher sein.
4. Nach zwei Jahren wird der instrumentale Schwerpunkt zugunsten von anderen Inhalten zurückgedrängt, aber durch das Instrumentalspiel zeigt sich, dass die Schülerinnen und Schüler nun in der Lage sind, sich wesentlich qualifizierter mit Musik auseinanderzusetzen. Die Wahlzahlen ab Klasse 9 (Musik oder Kunst) zeigt bei den bläsergeschulten Leuten eine eindeutige Neigung zur Musik! (Bisher bei uns ca. 1/4 Musik 3/4 Kunst!)
Also Kooperation mit Musikschulen und Privatmusikerziehern ja, aber nicht sofort und von Anfang an. Dann können bei einem Lehrer allein auch die allgemeinbildenden Inhalte ihren Stellenwert behalten.
Viele Grüße, Gunda Adermann

Johannes Bähr
Beiträge: 2
Registriert: 18. Jan 2004 19:45

Beitrag von Johannes Bähr » 1. Feb 2004 08:49

Hallo Uta, Dirk und andere

es gibt tatsächlich ein Heft mit Unterrichtseinheiten zum Hessischen Modell Kooperation Schule-Musikschule. Es ist erschienen im Hessischen Landesinstitut für Musikpädagogik und heißt "Musik machen. Jahrgangsstufen 5/6". Es ist entstanden im Zusammenhang mit dem Modellversuch und enthält 13 Unterrichtseinheiten, z.T. mit Noten in C, B und F. Dazu gibt es 2 CD's und eine Farbfolie. Es ist eine Publikation eines Staatsinstituts, für die es keine Autorenhonoirare gibt. Ich hoffe, dass es noch Exemplare gibt. Man kann es bestellen per fax 0611-8803340. Es hat die Bestellnummer 07047 und kostet € 14.-. Da es gleichzeitig ein Materialheft zur Umsetzung des Rahmenplanes ist, sind nicht alle Unterrichtseinheiten auf das Klassenmusizieren fokussiert.
Gruß Johannes Bähr

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