Musikpräferenz

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Der Begriff Präferenz setzt sich aus "prae"(lat. vor) und "ferre" (lat. tragen) zusammen und wird von dem lateinischen Kompositum "praeferre" abgeleitet. Musikpräferenzen lassen sich in folgenden Merkmalsebenen einteilen:


Die soziale Lage

Es wird allgemeinhin davon ausgegangen, dass die allgemeine Sozialisation die Ausbildung der Beziehung zu Musikpräferenzen beeinflusst, also dass der Musikgeschmack stark von der Schichtzugehörigkeit abhängig ist. Zur Veranschaulichung nehmen wir den Bereich der Sprache als Analogie zur Musik. Dabei wird Sprache in die sog. "Hochsprache" und die "Umgangssprache" unterteilt, die ebenfalls von den Schichten abhängig sind. So spricht der Mensch aus der Oberschicht die Hochsprache und der Mensch aus der Unterschicht die Umgangssprache. Querverbindungen zur Musik lassen sich nun im Sinne dieser Definition ziehen: Der Mensch aus der Oberschicht präferiert die Klassische Musik und der Mensch aus der Unterschicht präferiert den Schlager. Der Musikwissenschaftler K.E. Behne stellt in einer empirischen Untersuchung fest, dass die Teilnehmer der höheren Schichten eher klassikorientiert sind und die unteren Schichten eher dem Schlager und der volkstümlichen Musik zugeneigt sind. Wenn wir die bisherigen Aussagen kritisch betrachten, stellen wir schnell fest, dass man solch eine Verallgemeinerung der Zusammenhänge und der musikalischen Codes nicht machen kann. Doch es spielen noch andere Faktoren eine Rolle zur musikalischen Präferenz:

Die musikalische Förderung

Die musikalische Förderung ist ein wichtiger Einflussfaktor innerhalb der allgemeinen Sozialisation. Zu betrachten ist hier ausschließlich der Ort der Herkunftsfamilie. In seiner Untersuchung der Einstellung Jugendlicher zum musikalischen Instrumentalspiel konnte Scheuer 1986 u.a. die Abhängigkeit der Instrumetalpräferenzen von der Schichtzugehörigkeit nachweisen. So werden in eher traditionellen Familien meist Klavier oder ein Orchesterinstrument und in Familien, die populär orientiert sind mehr Gitarre, Schlagzeug oder Keyboard gespielt. Graml und Reckziegel untersuchten hierzu den Einfluss des Instrumentalspiels auf die Ausbildung von Musikpräferenzen. Die Autoren konstatieren, dass die Schulbildung wie das Instrumentalspiel der Eltern eine postivie Einstellung gegenüber klassischer Musik fördern. So wurde festgestellt, dass "Klavier-, Violin- und Flötenspieler eher klassische Musik bevorzugen, während diehjenigen, die selbst Gitarre, Zither und Akkordeon spielen, U-Musik präferieren."

Alter

Zu dieser Determinanten sei gesagt, dass sie nicht als unabhängige Variable, wie eine physikalische Größe betrachtet wird, sondern eher als eine Abkürzung für die Summe aller Faktoren (z.B.Alter) zu bezeichnen ist, die bis zum Befragungszeitraum auf die Person gewirkt haben. Sie bildet den wichtigsten Faktor für die Entwicklung und Ausbildung von Musikpräferenzen und müssen neben der Altersvariable, die nicht mehr als lineares Kontinuum aufgefasst werden kann, andere Variablen mit berücksichtigt werden. Diese wären zum Beispiel Beruf oder Familie und beeinflussen sich gegenseitig als Kovariablen, woraus sich Konsequenzen für die Untersuchungsmethoden ergeben. So ist die Frage nach einem präzisen Punkt für den Beginn der Musikpräferenzbildung nur kaum beantwortbar. Jedoch geht man davon aus, dass schon im Fötusalter der Mensch auf unterschiedliche akustische Reize als Äußerung einer Musikpräferenz reagiert.

Persönlichkeit

Der unmittelbare Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und Musikpräferenzen sind wissenschaftlich zwar nicht nachgewiesen worden, jedoch sieht das Konzept der Musikpräferenz-Relations-Theorie die Möglichkeit einer Verbindung vor. "Wird Persönlichkeit als z.T. durch Sozialisation geprägt aufgefasst, so ist anzunehmen, dass zwischen den Musikpräferenzen und der biografischen Entwicklung der jeweiligen Person ein Zusammenhang besteht."

Literatur

Schulten, Maria-Luise: Musikpräferenz und Musikpädagogik. Ein Beitrag zur musikpädagogischen Grundlagenforschung, Frankfurt am Main (u.a.): Lang, 1990

Peiper, Albrecht: Eigenart der kindlichen Hirntätigkeit. Leipzig Thieme 1949.